Die Haftung des Vermittlers / Versicherers für Beratungsfehler

Beratungspflichten für Versicherer oder deren Vermittler waren bisher die Ausnahme. Es gab zwar allgemeine Hinweis- und Aufklärungspflichten. Bei deren Verletzung kam eine Haftung in Betracht. Allerdings scheiterten derartige Fälle meist daran, dass nicht hinreichend bestimmt war, welche Beratung denn der Vermittler bzw. der Versicherer im Einzelfall zu erbringen hatte. Auch genügte das allgemeine Zivilrecht mit seinen strengen Anforderungen an den Nachweis der fehlerhaften Beratung selten den Anforderungen an ein effektives Haftungsinstrument.

Dies ist durch Einführung neuer, europarechtlich motivierter Gesetzesänderungen nun anders. So hat der Vermittler (= Makler, Versicherungsvertreter, Agent etc.) nunmehr, soweit konkreter Anlass im Einzelfall besteht, den Kunden angemessen zu beraten. Ferner muss er dies dokumentieren und sodann auch angeben, weswegen er welche Versicherung vorgeschlagen hat. Diese Dokumentation hat der Vermittler bzw. der Versicherer oder sein Agent sogar vor dem Vertragsschluss dem Versicherungsnehmer zu überlassen.

Die Verletzung dieser Pflichten kann sodann Schadenersatzansprüche wegen Falschberatung auslösen. Aufgrund des Dokumentationserfordernisses und damit verbundener Beweiserleichterungen wird eine gerichtliche Geltendmachung zukünftig erheblich erleichtert.

Gerade bei kostspieligen Kapitallebensversicherungen mit extremer Risikostruktur darf durchaus nach der Haftung des Vermittlers (auch des Maklers) gefragt werden. Dies gilt aber natürlich für jedwede Versicherung bzw. jedweden Schaden.

Wenn der Versicherer nicht leistet, weil er z. B. eine Leistung erfolgreich ausgeschlossen hat, wird in Zukunft zu prüfen sein, ob der Vermittler seine Beratungspflichten erfüllt hat. Beratungspflichten bestehen übrigens auch nach Vertragsabschluss, dies ist vollkommen neu.

Korrektiv vor einer ausufernden Haftung von Vermittlern und Versicherern ist, dass die Beratung anlassbezogen erforderlich war bzw. dass ein angemessenes Verhältnis zwischen Beratungsaufwand und Prämie gegeben ist. Sowohl für seriöse Vermittler als auch für Versicherungsnehmer wird zukünftig zu klären sein, welcher Beratungsumfang konkret zu erbringen ist oder war. Erleichtert wird das Ganze für Sie als Kunden eines Maklers, wenn dieser eine eigene Vermögensschadenhaftpflicht besitzt. Beim Agenten hat sowieso der Versicherer einzustehen.

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