Die Hausratversicherung, die Wohngebäudeversicherung

Bei der Hausratversicherung handelt es sich um eine Massenversicherung, nahezu 80 % aller Haushalte in Deutschland haben eine solche Versicherung abgeschlossen. Rechtliche Grundlage sind die allgemeinen Versicherungsbedingungen (AHB) sowie das Versicherungsvertragsgesetz. Je nach zugrunde liegenden Bedingungswerken ist der Versicherungsumfang sehr verschieden. Lesen bei Vertragsschluss lohnt sich daher.

Maßgeblicher Versicherungsfall ist die Zerstörung, Beschädigung oder das Abhandenkommen von Hausrat. Hausrat sind dabei etwa Ihre Möbel, Ihre technischen Geräte oder aber auch Wertsachen und Bargeld. Der genaue Umfang, z. B. bei Einbauküchen, ist teilweise sehr streitig. Auch hier lohnt es sich, bei Vertragsschluss genau hinzuschauen, was unter den Versicherungsschutz fällt und was nicht. So ist etwa aufgrund einer Zusatzklausel inzwischen die Einbauküche meist versichert. Nicht nur der Umfang der erweiterten Hausrat (Außenversicherung), die z. B. den Diebstahl von Fahrrädern oder Elektronikzubehör regelt, ist verhandelbar.

Im Standardpaket mitversichert sind freilich auch Einbruch und Raub. Hier ist in der Praxis immer kritisch die Abgrenzung zum Trickdiebstahl. Liegt letzter vor, wesentlich ist dabei, dass keine äußere Gewalt vorliegt, tritt die Hausrat nicht ein. Die Abgrenzung kann dann sehr kniffelig sein. Überhaupt sind Einbruchsfälle aufgrund der Beweisfragen sehr schwierig. Es gibt hier eine Reihe von Obliegenheiten, z. B. die Anzeige bei der Polizei, das Anlegen der sogenannten Stehlgutliste. Da es beim Einbruch naturgemäß immer Beweisschwierigkeiten über die vorhandenen und entwendeten Gegenstände gibt, werden die Mitwirkungsobliegenheiten von den Versicherern sehr streng gehandhabt. Lediglich teilweise falsche Angaben bei der Schadenmeldung können Sie die vollständige Versicherungsleistung kosten. Der Teufel steckt hier im Detail.

Der Versicherungsfall beginnt nicht bereits mit dem Eintritt der versicherten Gefahr (etwa das Leitungswasser austritt). Er liegt vielmehr erst dann vor, wenn sich das schädigende Ereignis derart auf den versicherten Hausrat auswirkt, dass sich dort die Gefahr (etwa durch Beschädigung der Sachsubstanz) auswirkt. Bei Haftungshöchstsummen kann dies bei einem längerfristigen Schadensverhalten erhebliche Konsequenzen für die zu erhaltende Entschädigungssumme haben.

Gerade etwa nach Wohnungsbränden schicken die Versicherer Regulierer, die genau prüfen und auch begutachten, welche genaue Schadenursache vorlag oder ob wenigstens auch eine grob fahrlässige Schadensverursachung durch Sie in Betracht kommt. In dem Fall schmelzen Ihre Entschädigungsansprüche dahin. Da Sie zur wahrheitsgemäßen Mitwirkung verpflichtet sind, andererseits Sie natürlich auch nicht aktive Bekämpfung der eigenen Ansprüche schulden, ist hier besondere Vorsicht anzuraten.

Bei der Gebäudeversicherung wird (vereinfacht) das gesamte Gebäude gegen die obenstehenden Beschädigungen durch Brand, Wasser und Sturm versichert. Elementarschäden wie Erbeben oder Hochwasser sind regelmäßig nicht umfasst. Die nach dem VVG und den VGB (allgemeine Versicherungsbedingungen) zu beurteilenden Verträge gelten nur für Wohnhäuser. Im gewerblichen Bereich gibt es eine gesonderte Gebäude-, Feuer-, Einbruchdiebstahls- und  Raubversicherung.

Wie zum Teil bei der Hausrat kreisen die Probleme (keine vollständige Darstellung) um den Umfang der versicherten Risiken, den Ausschluss von kritischen Schadenpositionen. So ist beispielsweise eine Schädigung durch Planschwasser aus einem Schwimmbecken oder der Schaden durch Reinigungswasser (oder ein Wasserbett), nicht abgesichert.

Entgegen einem hartnäckigen Irrglauben ist es nicht so, dass ein Schaden, der durch jahrelange Rohrkorrosion langsam und unmerklich zu einem Rohrbruch führt, nicht versichert wäre. Allerdings muss der Versicherer nicht den Austausch der gesamten und schadensanfälligen Leitungen bezahlen.

Schließlich sind die die Obliegenheiten vor oder nach einem Schadenfall sehr streiterheblich.  Wer beispielsweise seine Wasserleitungen im Winter im Haus einfrieren lässt, verliert den Versicherungsschutz. Die weiteren unzähligen Fallgestaltungen lasse ich einstweilen offen.

Schließlich kann die Repräsentantenhaftung bei „selbstgemachten“ Schäden sehr wichtig sein. Kann etwa die Handlung des engagierten Handwerkers Ihnen zugerechnet werden und ist dann, wenn dieser einen gravierenden Fehler gemacht hat, der Versicherer Ihnen gegenüber leistungsfrei. Hier kommt die Frage des Repräsentanten ins Spiel, der sozusagen die versicherungsrechtliche Sachherrschaft hat. Dies wäre im Beispiel zu verneinen.

Aktuelles Urteil: Verschiedenes
Zur Haftung des Seitenbetreibers bei sog. Abofallen im Internet, LG Mannheim, Urteil vom 14.01.2010, Az. 10 S 53/09 [mehr...]
Aktuelles Urteil: Versicherungsrecht
Sanktionsregelung bei Verletzung vertraglicher Obliegenheiten ist unwirksam, wenn der Versicherer den Vertrag nicht angepasst hat, BGH, BGH, Urt. v. 12.10.2011 - IV ZR 199/10 [mehr...]
Billig ist nicht immer hilfreich / Schadensminderung und die Versicherung: zugleich Besprechung von OLG Frankfurt, Urteil vom 01.03.2012 - 3 U 119/11 [mehr...]
Ratgeber: Verkehrsrecht
Drogen im Straßenverkehr: Berauschende Weihnachten, zugleich Anmerkung zu OLG Hamm und Verwertbarkeit von Blutproben [mehr...]